Neues vom Hormonorchester

Regina Fischer

Deine Schilddrüse und Dein Cholesterin....

Cholesterin und Schilddrüse – ein Zusammenhang, der oft übersehen wird

Wenn bei einer Blutuntersuchung ein erhöhter Cholesterinwert festgestellt wird, richtet sich der Blick häufig vor allem auf das LDL-Cholesterin. Ein dauerhaft erhöhter LDL-Wert kann langfristig problematisch sein und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Doch Cholesterinwerte entstehen nicht isoliert. Verschiedene Stoffwechselprozesse und Organe spielen zusammen und eines davon ist die Schilddrüse.

Was hat die Schilddrüse mit Cholesterin zu tun?
Die Schilddrüse ist zwar klein, ihre Hormone beeinflussen jedoch zahlreiche Abläufe im Körper und insbesondere auch den Stoffwechsel.
Du kannst sie Dir vereinfacht wie einen Taktgeber vorstellen. Funktioniert sie nicht optimal und stehen dem Körper zu wenig Schilddrüsenhormone zur Verfügung, können sich Stoffwechselprozesse verlangsamen.
Das kann sich auch auf den Cholesterinstoffwechsel auswirken. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion oder Trägheit findet man deshalb häufig erhöhte Cholesterin bzw auch LDL-Werte.

Wichtig: Ein unauffälliger Cholesterinwert bedeutet nicht automatisch, dass die Schilddrüse optimal arbeitet. Und selbstverständlich muss auch nach anderen Ursachen gesucht werden. Wird nichts gefunden, geht die Detektivarbeit weiter.

Warum kann LDL bei einer Schilddrüsenunterfunktion steigen?
Stell Dir LDL-Teilchen wie kleine LKW vor: Sie transportieren Cholesterin durch das Blut. Cholesterin ist dabei nichts grundsätzlich Schlechtes, denn unser Körper benötigt es für verschiedene Aufgaben, unter anderem für Stress- und Sexualhormone.
Damit LDL wieder aus dem Blut aufgenommen werden kann, spielt die Leber eine wichtige Rolle. Auf ihren Zellen befinden sich sogenannte LDL-Rezeptoren. Sie funktionieren wie Andockstellen, an denen LDL-Teilchen binden und anschließend aus dem Blut aufgenommen werden.

Schilddrüsenhormone sind an der Regulation dieser Vorgänge beteiligt. Wirken zu wenig davon, kann die Zahl beziehungsweise Aktivität der LDL-Rezeptoren abnehmen. LDL wird langsamer aus dem Blut entfernt und der gemessene Wert kann steigen.
Ernährung ist also nicht der einzige Faktor, der den Cholesterinspiegel beeinflusst.

Wenn der Stoffwechsel langsamer wird
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich beispielsweise durch Müdigkeit, schnelleres Frieren, eine trägere Verdauung, Gewichtszunahme, trockene Haut oder Schlafveränderungen bemerkbar machen.
Dabei müssen keineswegs alle Beschwerden gleichzeitig auftreten. Bei manchen Menschen sind die Veränderungen deutlich, bei anderen eher unspezifisch.
Deshalb kann es sinnvoll sein, bei Veränderungen der Cholesterinwerte auch die Schilddrüse im Blick zu behalten.

„Meine Schilddrüsenwerte sind doch in Ordnung“
Zur Beurteilung der Schilddrüse wird in der Kassenmedizin leider nur noch der TSH-Wert betrachtet. Dabei sind es aber gerade die freien Schilddrüsenhormon-Blutwerte fT3 und fT4, die wichtig sind.
Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Schilddrüsenfunktion und Blutfetten nicht nur bei einer ausgeprägten Unterfunktion. Auch mildere Veränderungen können mit veränderten Cholesterinwerten einhergehen.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, ist individuell. Deshalb kann es bei auffälligen LDL-Werten interessant sein, die Schilddrüse als möglichen Einflussfaktor einzubeziehen.
Es müssen also immer fT3 und fT4 betrachtet werden. Hierbei ist es wichtig, dass beide Hormone nicht in der unteren Norm liegen, denn das bedeutet meist einfach nur: Ich funktioniere gerade noch so irgendwie. Die Werte sollten sich in einem vernünftigen oberen Rahmen bewegen.

Schilddrüse, Leber und Darm arbeiten zusammen
Der Cholesterinstoffwechsel lässt sich nicht auf ein einziges Organ reduzieren.
Die
Schilddrüse gibt wichtige Impulse für den Stoffwechsel. Die Leber verarbeitet Cholesterin und nimmt LDL aus dem Blut auf.
Auch der
Darm ist beteiligt und beeinflusst unter anderem, wie Gallensäuren ausgeschieden beziehungsweise wieder aufgenommen werden.
Es ist also ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Ernährung und Lebensstil gehören zum Gesamtbild
Natürlich spielen Ernährung und Lebensstil eine wichtige Rolle. Nicht nur für die Bluttfettwerte! Ballaststoffe, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht, die Auswahl der Fette und eine gute Stressbalance können den Fettstoffwechsel und unsere Gesundheit beeinflussen.
Wenn Dein LDL-Wert jedoch steigt, obwohl Du an Ernährung oder Lebensstil kaum etwas verändert hast, kann sich ein Blick auf weitere Einflussfaktoren lohnen.
Eine mögliche Frage lautet dann:
„Arbeitet meine Schilddrüse so, wie sie sollte?“

Denn Cholesterin ist nicht nur eine Frage dessen, was auf Deinem Teller liegt. Es ist Teil eines komplexen Stoffwechsels, bei dem Schilddrüse, Leber, Darm und weitere Faktoren zusammenspielen.